Keine Verbindung unter diesem Anschluss

tl;dr: Thunderbolt–DisplayPort-Kabel funktionieren am MacBook Pro 2017 nur mit der Betaversion von macOS 10.12.6. Der Apple-Support ist wie immer ahnungslos.

Als Apple im Herbst 2016 die lang erwartete neue MacBook-Pro-Generation vorstellte, stieß der Konzern auf gemischte Resonanz in der Fachpresse und den Kommentarspalten des Internets. Die nicht zeitgemäße Prozessorgeneration (Skylake statt Kaby Lake) wurde ebenso kritisiert wie die von vielen als überflüssig erachtete Touch Bar, der die F-Tasten-Reihe zum Opfer gefallen war. Viele professionelle Nutzer beklagten sich auch über die Arbeitsspeicherobergrenze von 16GB bzw. die generelle Nicht-Aufrüstbarkeit der Geräte. Doch die mit Abstand am emotionalsten diskutierte Neuerung war die ausschließliche Verwendung der Thunderbolt-3-Schnittstelle mit USB-C-Stecker.

Bei mir war es vor allem die Aussicht auf ein Gerät mit veralteter CPU, die mich davon abhielt, mich sofort für das 2016er-Modell zu entscheiden. Dass Apple die »neue« Schnittstelle mit dem USB-C-Port forcierte, fand ich von allen Übeln eigentlich noch am erträglichsten. Ja klar, ich würde Adapter für ungefährt alle Gerätschaften brauchen, die an den neuen Mac angeschlossen werden sollten, und ja klar, es würde genau keiner im Lieferumfang sein. Aber andererseits würden wir auch immer noch Videokassetten und parallele Schnittstellen verwenden, wenn nicht mal jemand DVDs verkauft und USB-Ports verbaut hätte. Außerdem war schon im Herbst letzten Jahres klar, dass auf dem Drittanbietermarkt recht bald preiswerte Verbindungskabel und Adapter erhältlich sein würden.

Long story short: Am 5. Juni stellte Apple das 2017er-Update der Macbook-Pro-Reihe vor, in der die aktuelle CPU-Generation von Intel verbaut war. Einen Monat später entschied ich mich zum Kauf eines nagelneuen 15″-Macbook Pro.

Ein Schnäppchen? Vermutlich funktioniert auch dieses Kabel – aber nicht mit macOS 10.12.5 auf einem MBP 2017. Foto: Hersteller

Da von Anfang an klar war, dass das Gerät auch als Desktop-Ersatz dienen würde, musste auf jeden Fall auch ein Adapter-Kabel für den Anschluss an meinen Monitor her. Der NEC SpectraView 271 hat zwei DVI-Schnittstellen und einen DisplayPort-Eingang. Auch über DisplayPort hatte man mir vor vielen Jahren mal erzählt, das sei jetzt die Monitor-Schnittstelle der Zukunft, da viel moderner als DVI. Heutige Consumer-Geräte haben trotzdem meistens HDMI, das seit Version 1.3 auch höhere Auflösungen als 1080p schafft. Doch aus dem Thunderbolt-3-Port des Macbook Pro kommt nativ DisplayPort raus – das steht so auch in den Technischen Daten bei Apple. Ein simples, mehr oder weniger passives Kabel würde es also tun.

Das TedGem DisplayPort Kabel USB Typ-C zu Kabel für (zu dem Zeitpunkt) 12,49€ tat es jedenfalls nicht. Der Monitor blieb dunkel, und der Mac zeigte kein zweites Display an. Sollte es Qualitätsunterschiede bei den Kabeln geben? Flugs war Kabel Nummer 1 retourniert und stattdessen ein Modell des Herstellers InfiniTools angeschafft (19,99€). Bei beiden Kabeln steht in der Beschreibung, sie seien kompatibel mit dem Macbook Pro 2016. Doch auch das zweite Kabel tat: nichts.

Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschloss, dem telefonischen Apple-Support eine Chance zu geben. Es war die überflüssigste Dreiviertelstunde meines Lebens. Sowohl der First-Level-Supporter als auch dessen »technischer Vorgesetzter«, ein gewisser Sebastian R., hatten arge Probleme, überhaupt das Problem zu verstehen. Mehrfach verwies man mich auf den USB-C-Digital-AV-Multiport-Adapter für 79€, einen der wenigen überhaupt von Apple hergestellten Adapter, aus dem aber auch bloß HDMI rauskommt. Zur Frage, warum mehrere Drittherstellerkabel nicht funktionierten, hatte man keine Erklärung und unternahm offenbar auch keine Anstrengungen, der Sache nachzugehen. Dafür, wie sollte es anders sein, bekam ich den Tipp, doch mal beim Hersteller des Monitors anzurufen. Muss ich noch erwähnen, dass die Firma NEC, die bei Profis in der Druck- und Designbranche für ihre guten, hardwarekalibrierbaren, dafür aber auch hochpreisigen Displays bekannt ist, den Mitarbeitern des Apple-Supports vollständig unbekannt war?

Bei NEC direkt konnte man mir indes auch nicht helfen. Allerdings verwies man mich an »die Kollegen von basICColor«. Die basICColor GmbH ist eine Firma, die Soft- und Hardware für Farbkalibrierung herstellt und mit der Verkabelung von Computern und Monitoren nun eigentlich so rein gar nichts zu tun hat. Was die Mitarbeiter des Unternehmens zu »Kollegen« des NEC-Supports macht, ist im Wesentlichen die von basICColor geschriebene Kalibriersoftware SpectraView Profiler, die bei den besseren NEC-Monitoren zum Lieferumfang gehört. Da in der Design- und Druckbranche allerdings viele Kollegen mit Macs arbeiten, ist das Know-How für derartige Konnektivitätsprobleme dort erwartungsgemäß recht hoch.

So richtig konnte mir der Mitarbeiter von basICColor direkt allerdings auch nicht helfen. Aber er erkundigte er sich im Haus bei Kollegen nach deren Erfahrungen mit den neuen Macbook Pros und rief mehrfach zurück. Er fragte nach den von mir getesteten Kabeln und empfahl mir schließlich ein Kabel, das bei Kollegen funktionierte.

Betatester wider Willen. Aber nun klappt alles. Screenshot: AppStore

Zwischenzeitlich hatte ich gewisse Zweifel, dass das Problem ursächlich mit den Kabeln zusammenhing, denn auch ein weiterer Adapter, ein USB-C-auf-DisplayPort-Buchse-Modell des Markenherstellers Club 3D (CAC-1507), funktionierte nicht. Ich bat eine Freundin, die sich im letzten Jahr ein Macbook Pro aus der 2016er-Modellreihe gekauft hatte, mit ihrem Computer vorbeizukommen. Und siehe da: Beide Adapter funktionierten sofort! (Den ersten hatte ich bereits zurückgeschickt.) Schließlich stieß ich im Forum von Club 3D auf den entscheidenden Hinweis: Obwohl sich das 2016er- und 2017er-Modell eigentlich kaum unterscheiden, gab es offenbar Probleme mit der DisplayPort-Unterstützung in der 2017er-Reihe.

Ein Hardwareproblem? Keinesfalls. Wie sich herausstellte, funktionieren die Adapter problemlos mit macOS 10.13 beta2 (aktuell ist 10.12.5). Und wie ich schließlich herausfand, behebt auch die Beta 5 des kommenden Minor-Release 10.12.6 (16G24b) das Problem. Um die Betaversionen installieren zu können, reicht es, sich für das Apple Beta Software-Programm anzumelden. Nachdem der Rechner dafür registriert ist, erscheint die 10.12.6 beta 5 im AppStore unter Updates. Wer will, kann natürlich auch gleich High Sierra (10.13) installieren. Ob die derzeit im öffentlichen Beta-Programm verfügbare Version das Problem löst, weiß ich allerdings nicht.

Warum ich um die Geschichte so einen riesigen Aufriss mache? Ganz einfach:

  • DisplayPort als Anschlussmöglichkeit steht bei Apple in den Technischen Daten. Es geht nicht, dass ein Hersteller dieses Kalibers ein Gerät auf den Markt bringt, bei dem so etwas simples wie das Anschließen eines Monitors einfach nicht funktioniert.
  • Das Problem ist Apple ganz offensichtlich bekannt, sonst wäre es nicht in der Betaversion von macOS gelöst. Dass der Second-Level-Support von Apple keinen Zugriff auf diese Information hat – oder nicht geschult ist, damit umzugehen – ist total daneben.

Aber es gibt auch noch etwas Positives, das ich hier loswerden möchte: Die zahlreichen Gespräche mit dem Mitarbeiter von basICColor waren sehr freundlich und fachkundig und von dem beiderseitigen Willen, sich zu unterstützen, geprägt. So wie in der guten alten Zeit™. Dafür an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.